
Alvar Aalto, Helsinki

Die Stadt Wolfsburg brauchte neben "industriellem Leben" einen kulturellen Schwerpunkt.
Unter einem Dach sollten die verschiedensten Veranstaltungen und Nutzungen vereinigt sein, u.a.
eine Bibliothek, die Volkshochschule, Werkstätten, Vortragssäle, eine Töpferei, Ateliers und noch
vieles mehr. Der Grundriß des Kulturzentrums wurde entsprechend entwickelt. Mit seiner Nordseite
grenzt das Gebäude an den Rathausplatz und bildet so den Abschluß des Stadtzentrums. Haupteingänge
und die geschlossenen fächerartigen Kuben der Vortragssäle prägen diese Hauptfassade. An der
Porschestraße seit 1980 Fußgängerzone befinden sich Läden und Büros, während die Bibliotheken
an der ruhigeren, grünen Südostseite liegen. Das Gebäude ist als Plastik entwickelt und auch stark
nach innen gerichtet. Wenige Fenster lassen den Blick nach außen zu, die Räume werden durch
verschiedenste Oberlichter optimal erhellt. An den drei, vom öffentlichen Platz aus zugänglichen
Seiten wird der Übergang von außen nach innen durch eingeschossige Kolonnaden, auf denen das
Obergeschoß zu schweben scheint, geschaffen. Aus großen Formen entstanden konsequent kleinere,
die sich auch in den Innenraum hineinziehen und ihn bestimmen. Wesentlich für Aaltos Architektur
sind die vorbildlich ausgearbeiteten Details wie Geländer, Deckenverkleidungen, Türblätter,
Türbeschläge, Wandleuchten, Sitzmöbel u.a.m. Das Spiel mit den natürlichen Materialien Marmor,
Keramik, Ziegel, Holz und Glas zeigt anschaulich die mögliche Einheit von Architektur und Design.









Seit Mitte der 80er Jahre wurde stark in das räumliche und funktionale Gefüge selbst wie auch
in die Umgebung eingegriffen. Dank der Ausweisung des Gebäudes als Baudenkmal konnten die
Grundsubstanz und die Struktur bis heute erhalten bleiben. Dennoch wurden das Gebäude und auch
die ursprüngliche städtebauliche Konzeption mit den zum Park Klieversberg in Kontrast stehenden
Solitärbauten durch den Bau des neuen Rathauses und des Kunstmuseums (1994) stark beeinträchtigt.
Denn die höhenmäßige Staffelung der Kuben mit den Hörsälen sollte nicht nur eine Verbindung des
Rathausbaus mit der Ladenzeile darstellen, sondern auch das Gegenstück zum aufsteigenden Waldrücken
Klieversberg im Hintergrund bilden, eine Komposition von Landschaft und Gebautem, die nicht mehr
abzulesen ist. Durch die Bildung eines neuen Platzes vor dem Kunstmuseum sind die Proportionen
im Freiraum völlig verschoben.

Apart from the "industrial life", the town needs a cultural focal point. The town was able to
contain all cultural institutions in one building; the municipal library, the adult education
centre, lecture halls, work-shops, a drawing studio and, last but not least, a library with a
reading garden for children. At its north perimeter, the building borders the town hall square
and so forms the edge of the town centre. The main entrances and the closed fan-like cubes of
the lecture halls form this main facade. The rooms are optimally provided with daylight by
sky-lights. The exemplary design of details such as railings, ceilings, doors, wall lighting,
and seating are of great importance in Aalto's architecture. A great deal of alteration work has
been carried out since the mid-80's on the spatial and functional design of the building as well
as the surroundings. The building is one of the most important building monuments in the town.
|



|