
Koller, Taeschner, Treiber, Schlesinger, Stadtbaubüro

In der zukünftigen Stadtmitte entstanden die Quartiere "Wellekamp" und
"Schillerteich". Die Planungen des Staates in der NS-Zeit konzentrierten sich auf den
Geschoßwohnungsbau, um eine Zersiedelung der Landschaft zu vermeiden und das Gemeinschaftsgefühl
zu fördern. Die Baustufen bis 1942 waren so festgelegt, daß sich der Schwerpunkt der Stadt
zukünftig zwischen den beiden Wohnquartieren entwickeln konnte.

Diese Bereiche mit ihrer
gartenstadtähnlichen Siedlungsstruktur gehören zu den Geschichtszeugnissen der Alltagskultur der
40er Jahre, sie sind der wichtigste Teil der 60jährigen Stadtbaugeschichte Wolfsburgs mit dichter
Folge von unterschiedlichen Wohnkonzepten:
Trennung von Arbeiten und Wohnen
Bildung von Nachbarschaften mit Spielplätzen und Sportanlagen
attraktives Wohnangebot mit geringer Dichte (150200 EW/ha).
Anzahl und Typen der Wohnungen wurden durch die zu erwartende Belegschaft des VW-Werkes festgelegt.





Die Wohnungsbaugesellschaft "Neuland" baute im "Wellekamp" 1.900, im Bereich
"Schillerteich" 600 Wohnungen, 48 bis 72 qm groß, die im Erdgeschoß teilweise durch
Geschäfte und Büros ergänzt wurden. Die Miete orientierte sich am Einkommen. Ein typisierter
einheitlicher Grundriß und genormte Bauteile sollte die Schaffung gleichwertiger Wohnbedingungen
erleichtern.
Die Wohnungen zeichneten sich aus durch
technisch gut ausgestattete Bad- und Küchen"zellen",
z. T. mit Küchenbalkon für "Schmutzarbeiten"
Speisekammern, Hängeböden, Loggien, Balkonaustritte, Abstellraum
geräumigen Wohnraum bzw. Wohnküche.
Die Bebauung ist durch einheitliche Gebäudefluchten mit gleichen Traufhöhen und Haustiefen
gekennzeichnet. Die Normung des Rohbaus bezog sich auf Balken, Treppen und Stockwerkshöhen,
Dachziegel, Schornsteinquerschnitte, Türen und Beschläge.









Die Fenster mit Sprossenkreuz oder waagerechter Sprosse und Fensterfaschen, hervorgehobene
Sockelbereiche und die abgewalmten 45-Grad-Dächer führten zu einem gleichförmigen Erscheinungsbild.
Da die städtebauliche Figur durch ihre gute Gesamtproportion dominiert, wirken die Bauten nicht
eintönig. Das Stadtbaubüro entschied sich bei den Fassaden im "Wellekamp" für den streng
anmutenden "Neoklassizismus", der Hitlers "Hofstil" entsprach. In den späteren
Bauabschnitten, auch im "Schillerteich", folgte eine gewisse Loslösung von diesem Stil
und der Einfluß von Elementen des ländlich geprägten Heimatschutzstils wird spürbar. Insgesamt
wurden zehn Bauabschnitte realisiert. Waren die Gebäude im ersten Bauabschnitt (entlang der
Schillerstraße) noch durch strenge Achsialsymmetrie und sparsames Ornament gekennzeichnet,
so wurde die Anordnung im zweiten Bauabschnitt (Lönsstraße und angrenzende Seitenstraßen) lockerer;
die Blöcke wurden durch Zwischenbauteile aneinandergefügt, die auch hinter der Bauflucht liegen.
Segmentbögen, französische Fenster, Balkone, Erker, Terrassen an den Giebelseiten und Türen mit
Klappläden lockerten die Fassaden auf. Ende 1941 kam die Bautätigkeit in diesen Quartieren zum
Erliegen.

The "Wellekamp" and "Schillerteich" housing districts were built as workers housing in the future
town centre. This district with its estate layout similar to a garden city is the most important
part of the 60-year old town development history of Wolfsburg, with its close succession of varying
housing concepts. The development is marked by unified building alignments with the same eaves
height and building depths. Construction work was brought to a standstill in 1941.
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