
Hans Scharoun, Berlin

Relativ unbekannt ist die von Scharoun gebaute Kindertagesstätte in der Robert-Schumann-Straße,
obwohl sie die einzige ist, die von ihm geplant und dann auch gebaut wurde. Der Kindergarten ist
durch innere Umbauten, Verkleidungen und den Anbau einer Garage stark verändert worden, so daß
die Entwurfsintention des Architekten kaum mehr nachvollziehbar ist. Er versuchte stets, das Wesen
einer Bauaufgabe herauszufinden und dem dann die materielle Form zu geben. So entstand dieser
Kindergarten entsprechend Scharouns Auffassung, wie das Kind in die Gemeinschaft eingegliedert
werden kann. Er wollte den Kindern "anbieten", eine räumliche Verflechtung zu erleben,
die der sozialen Verflechtung entspricht: Das Kind in diesem Alter sollte sich als Teil einer
neuen sozialen Einheit begreifen und sich mit der Entwicklung persönlicher Verantwortung als
Individuum in die Gemeinschaft einordnen. Um das Wesen der sozialen Familie nach und neben der
biologischen Familie des Elternhauses zu erfahren, entwarf Scharoun eine Hülle mit drei
kleinen Wohnungen, mit jeweils einem kleinen Gruppenraum für 20 Kinder, Waschraum und Freiplatz.
Diese an einen offenen Bezirk mit Küche, Abstellraum und Leiterinnenzimmer angesiedelten
Nachbarschaften sind stark voneinander abgegrenzt, und jede "Wohnung" ist nur für die
Kinder einer Gruppe bestimmt. So sollen sie sich zuerst mit ihrer Gruppe und dann mit der
Großgemeinschaft identifizieren. Die zwei zusammenliegenden Gruppenräume hatten eine
Harmonikaschiebetür, um einen großen Raum für gemeinsame Veranstaltungen zu haben.





Nach Scharoun sind Kinder zur Umwelt noch distanzlos offen und schirmen sich nicht ab; er strebte
demzufolge einen starken Bezug der Wohnungen nach außen an. Außerdem war er der Ansicht, daß
"körperliches und geistiges Wachstum viel Helligkeit und sonniges Südlicht" benötigen.
Die natürliche Belichtung des nördlichsten Gruppenraumes ist allerdings in den Wintermonaten sehr
gering. Der innenliegende Flur wird über Oberlichter erhellt. Die einfache Form der
Grundrisse Quadrat mit angehängter trapezförmiger Spielnische verdeutlicht, daß Kinder diesen
Alters sich eines Raumes noch nicht bewußt werden, dennoch angesprochen und geschützt werden
sollen. Deshalb sind die Räume mit zwei qm pro Kind knapp bemessen. Da die Raumgruppen nicht
direkt nebeneinanderliegen, ergibt sich die Möglichkeit, jeden Funktionsbereich charakteristisch
auszubilden. Dem Kindergarten ist eine Wohnung (69 qm) mit Terrasse angegliedert. Am
Eingangsbereich sind Abstellräume (für Roller, Müll u.a.).
The day nursery in the Robert Schumann Strasse, designed by Scharoun, is relatively unknown. The
nursery school has been greatly changed by internal alterations, facings and the addition of a
garage so that the architect's intention of the design is now hardly comprehensible.
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