Frankfurt-Projekt

Wäre es nicht an der Zeit, die wunderbare Lösung „do it with an architect“ (s. ZEIT vom 30.01.87) des Herrn Christoph Mäckler – auf den Punkt gebracht „do it with Christoph“ – all den Autoren Ihrer Zeitschrift, auch den Redaktionsmitgliedern, die grüblerisch oder fröhlich, langatmig oder gar wissenschaftlich in der Geschichte rumkramen, in einer Art Rundschreiben mitzuteilen (oder ein Einlegeblatt?), daß das Wichtigste geschafft sei?

Schluß mit den vielen Publikationen, denn der Mann ist da! Ihre Veröffentlichung über das „Frankfurt-Projekt“ wie auch Herr Sack in der o. a. ZEIT bemerkte, „war also nicht übertrieben“. Man könnte noch streiten, ob man „Schmetterlingshochhäuser“ bauen sollte oder aber doch besser „Maikäferengerlinghochhäuser“.
Denn auch mit der Zukunft gilt es, sich auseinanderzusetzen, die Bedrohung von morgen (tja, die Maikäfer kommen und sind am Waldsterben schuld) im Hochhaus von ihm. Abgesehen von solch subalternen „Meinungsmachern“ wie dem Frankfurter Architekturmuseum, der Zeitschrift Arch+ (die es schon vor Ihnen erkannt hat, aber kein ganzes Heft - Sauerei), den Galerien in Berlin (noch nicht in New York und Ostberlin?) sollte man die Stadtplaner Frankfurts und auch anderer Städte (mir fielen da etliche ein) erst einmal nach Amerika schicken. Die sitzen ja nur seit „Ernst Mays Tagen“ rum und haben nur Chaos produziert. Zurückgekehrt sähen sie alles mit anderen Augen und dann, hab ich das richtig verstanden?, muß man es einfach tun. Oder wie sagte Herr M.? „Ich hab’s einfach gemacht“.
Beim Lesen der Bauwelt wurde mir immer klarer, daß alle bisher nur im Trüben der Architektur fischten. Wohl auch an Ihre Adresse geht die kluge Einschätzung von Herrn Sack in der ZEIT, dass Herr M. sich von anderen Kritikern unterscheidet, dass „er nicht lamentiert, sondern zeichnete“.
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen; weg mit den Büchern und den Zeitschriften und der NBauO und dem doofen C. Sitte und W. Durth, ich „hole einfach das vergessene Selbstverständliche aus der Versenkung“. Ganz aufregend – nur unter uns – finde ich, daß Herr Mäckler (er und ich sind gleichaltrig) „mit seiner randlosen Brille auf der Nase und mit den in seinem Beruf beliebten kreisrunden Gläsern“ mutig ist. Macht einfach ein Büro auf! Und besonders gefällt mir, daß er nicht so ein „tabula –rasa“-Macher wie Le Corbusier ist. Nun hätte ich gerne gewußt von Herrn Schwarz (s. Heft 3) wo hat Herr M. entworfen, wenn nicht „am grünen“ (Pfui Teufel!) „oder am weißen Zeichentisch“, auch am Glastisch?
Das gäbe mir Hoffnung!
Ich habe es nun wirklich begriffen: Männer wie diesen braucht das Land, Männer, die es einfach tun. Was tun? Hochhäuser, schön hoch und gruselig anzusehen, bauen.
Ich fahre jetzt in die popelige Stadt ohne Orientierung, kaufe mir eine Brille mit kreisrunden Gläsern, dann rufe ich im Bundespresseamt an bei Herrn Ost und frag’ nach, wie das mit PR war, da war doch was…
Hoffnungsfroh Ihre

Cornelia Thömmes, Braunschweig

 
Publikation

C. Thömmes
Bauwelt, Briefe
Heft 3 / 1987, Seite 72 ff.





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