Projekt

Am Mühlenberg 21 in Werder
an der Havel - Inselstadt Aufstockung eines Nebengebäudes zum Wohnhaus

Sanierung: 2009 bis 2010

Gutachterliche Stellungnahme zur geplanten Aufstockung unter dem Aspekt der stadtgestalterischen Belange (vom Mai 2008) für die Stadt Werder und den Sanierungsträger Potsdam GmbH:
Der städtebauliche Bereich liegt auf der höchsten Erhebung der Insel, der sogenannte Mühlenberg, der grüne Hügel. Hier standen zwei Mühlen und die Wiesen wurden als Bleiche genutzt.
Der öffentliche Raum, die Straße entlang des Friedhofs führt hierher und wird durch ihre Aufweitung als Platzraum empfunden.
Im Süden wird der Platz von unterschiedlichen Gebäuden begrenzt: Rechts von dem vorhandenen Nebengebäude ist es das fachwerksichtige Wohnhaus, welches in den 20er Jahren des 20. Jh. umgebaut wurde. Ursprünglich war es ein Stallgebäude, unschwer ablesbar an der für Wohnzwecke ungünstigen Grundrissgeometrie – geringe Gebäudetiefe und extrem langgestreckter Baukörper. Danach fällt das Gelände ab und führt hinab zu den neuen Einfamilienhäusern, die sehr unterschiedlich in Dachform und Kubatur ausgebildet wurden.
Der Platzraum wird nach Westen hin durch einen weiteren eingeschossigen, sehr langgestreckten Baukörper begrenzt, der sich als Reihenhaus darstellt.
Das in Rede stehende Grundstück Am Mühlenberg 21 wird von einer kleinen Villa an der linken Grenze (nach Osten) arrondiert. Es ist ein zweigeschossiger Putzbau mit abgewalmtem Dach mit Schieferdeckung. Originale Fenster und Putzstrukturen sind erhalten bzw. wiederhergestellt. Das Wohnhaus hat einen Turm. Dieses Gebäude ist sehr originell in seiner Ausprägung und weithin sichtbar.
Diese Bauwerke werden im Zusammenhang (das Stadtbild) wahrgenommen, mit Straßen und Platz, Friedhofsmauer, Pflanzen und Bäumen und Tor und Belvedere und Blick in die Landschaft – die Havel.
Die oben beschriebenen Gebäude sind sehr unterschiedlich ausgebildete Solitäre; eines eine Umnutzung als sichtbarer Fachwerkbau, das „Art Deco-Wohnhaus“ und das eingeschossige „Reihenhaus“.
Das in Rede stehende Nebengebäude, welches aufgestockt werden soll, kann man nicht eindeutig zuordnen, weder nach Nutzungsart noch nach Entstehungszeit. Es besteht aus einem westlichen, früher offenbar als Stall genutzten älteren Teil und einer erst später angebauten östlichen Verlängerung. Der Baukörper ist auch extrem schmal (Außenmaße 4 Meter) und lang. Es wird empfohlen, dieses Gebäude im Zuge der Aufstockung architektonisch prägnanter auszubilden. Aufgrund der Gegebenheiten, der Vorgaben durch den Grundriss, bietet sich die Beibehaltung eines Nebengebäudes an.
Es sollte an der Platzseite eine einfache, geschlossene Fassade behalten und mit geeigneten Architekturzitaten ein formal qualitätvolleres Gebäude entstehen. Um die „Beliebigkeit“ an historisierenden Architekturzitaten zu begrenzen, wird empfohlen, sich eng an typologische Vorgaben zu halten. Es bietet sich hier aufgrund des Bestandes an, auch von einem Stallgebäude auszugehen.
In einem Handbuch des landwirtschaftlichen Bauwesens (Autor Fr. Engel, Berlin) wurden im Jahre 1879 für die Region Musterentwürfe veröffentlicht, die hier als Anregung dienen können, um eine stimmige Überformung anhand eines Musterentwurfes (wird als Anlage beigefügt) vorzunehmen.
Empfohlen werden neben dem hohen Dach mit einer geschlossenen Dachfläche auch Lüftungsschlitze unterhalb der Traufe und fein gegliederte Giebelansichten, um eindeutige architektonische Zuordnung zu erreichen.
So können der malerische Eindruck und auch die funktional-prägnante Wirkung, also individuell empfundene Gefühlswerte, zum öffentlichen Stadtbildverständnis beitragen. Ensemble, die Geschichte und Geschichten erzählen, an denen Eindrücke und Gefühle erfahrbar werden, besitzen eine große Akzeptanz.
Insgesamt ist für die abrundende Gestaltung des Platzes noch von Bedeutung, dass geplant ist, die Öffnung in der Einfriedung am Mühlenberg 21 so auszubilden, dass die Breite dann mit der vorhandenen Straßenbreite übereinstimmt. Es wird ein breiteres schmiedeeisernes Tor mit Pforte eingesetzt.
Damit ist der Blick auf die das Grundstück in seiner Tiefe und auf die Havel, die Geltower Kirche und nicht zuletzt auch auf das von dem Architekten Stüler konzipierte und inzwischen sanierte Baudenkmal „Belvedere“ freigegeben (eine Entwurfsskizze ist beigefügt).
Wolfgang Wittig
27. Mai 2008
 


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