Um ein neues Autowerk (der "Volkswagen" sollte produziert werden) bauen zu können, wurde 1938 eine Stadt gegründet ­ die Stadt des "KdF-Wagens" (KdF = Kraft durch Freude). Die Aufsicht über die städtebaulichen Maßnahmen übertrug Adolf Hitler seinem Generalbauinspektor Albert Speer. Hitler wollte eine "vorbildliche deutsche Arbeiterstadt" als "Lehrstätte sowohl der Stadtbaukunst wie der sozialen Siedlung". Die zentrale Lage entschied über die Wahl des Standortes.

Die Käufer sollten ihr Auto selbst abholen. Ohne Bindung an eine bestehende Siedlung wurde das zukünftige Stadtgebiet neben den Dörfern Heßlingen und Rothenfelde, unmittelbar gegenüber dem Werk, vorgesehen. Der ursprüngliche Plan für eine 90.000 Einwohner zählende Stadt stammt vom Architekten Peter Koller, der mit Speer gut bekannt war. Als Anreiz für die gesuchten Arbeiter und deren Familien sollte die Stadt modern und attraktiv für ihre Bewohner werden.

Das Autowerk entstand nördlich des Mittellandkanals und entlang der Eisenbahnstrecke. Die Stadtteile wurden südlich davon gebaut, ringförmig eingebettet in die vorhandene Hügellandschaft. Koller trennte so Wohnen und Freizeit vom industriellen Produktionsbereich. Er wollte eine Arbeiterstadt im Grünen unter Einbeziehung der vorhandenen Topographie und Landschaft. Auf der höchsten Erhebung, dem Klieversberg, war eine Stadtkrone geplant: Repräsentative Kultur- und Parteibauten ­ als Gegengewicht zum Werk ­ sollten dort entstehen. Am Fuße dieser gewaltigen Gebäudegruppe war eine breite Hauptstraße mit einem Rathaus und entsprechenden Geschäften vorgesehen.

Im Westen der Stadt sollte von der geplanten Reichsautobahn aus (auch ein Werksanschluß war vorgesehen) achsial eine Straße zur Stadtkrone führen und von einem Kreisplatz eine innere Ringstraße zu einem östlich und westlich gelegenen Verkehrsknotenpunkt. Von dort aus hätte man den Ost- wie den Westeingang des Werkes erreicht. Diese Hauptstraßen waren für den zukünftigen Autoverkehr 60 bis 100 Meter breit vorgesehen. An ihnen entlang sah Koller drei- bis viergeschossige Wohngebäude vor, dahinter abgestufte niedrigere Wohnbauten, die zur offenen Landschaft flach werden sollten, um sich gut einzufügen. Nach zwei Kriegsjahren wurden sämtliche Bauarbeiten gestoppt. Vom Gesamtplan wurde ­ neben dem realisierten 1. Abschnitt des Werkes ­ etwa ein Zehntel mit ca. 2.400 Wohnungen in den Innenstadtbereichen "Wellekamp" und "Schillerteich" sowie in der Waldsiedlung "Steimker Berg" verwirklicht.

Seit 1945 heißt die Stadt Wolfsburg. Wesentliche stadtplanerische Veränderungen ­ abhängig auch von der wirtschaftlichen Lage und der gewünschten Entwicklung des VW-Werkes ­ gab es 1948: Die Planer Reichow und Eggeling erarbeiteten Bebauungsvorschläge für neue Stadtteile (Köhlerberg, Hohenstein und Hageberg). Man ging davon aus, daß insgesamt für ca. 30.000 Einwohner Wohnungen vorhanden sein müssen. Koller entwickelte 1957 noch weitere Stadtteile wie Hellwinkel, Eichelkamp, Klieversberg-Süd, Rabenberg und Laagberg, so daß die Stadt auf 80.000 Einwohner anwuchs. Hochverdichtete Stadtteile ­ Detmerode und Westhagen ­ kamen von den 60er Jahren an dazu. Die neuen Wohngebiete Kreuzheide, Tiergarten und Teichbreite liegen jedoch jenseits des Kanals. Heute hat die Stadt mit Eingemeindungen ca. 130.000 Einwohner.

In Wolfsburg sind die unterschiedlichen städtebaulichen Bestrebungen ­ sogenannte Leitbilder ­ in den einzelnen Baustufen und Stadtteilen klar ablesbar.

In order to build a new car production plant (the "Volkswagen" ­ literally "people's car" ­ was to be manufactured here), a new town was founded in 1938, the town of the "strength-through-joy car". Adolf Hitler gave the supervision of the urban development planning to Albert Speer. Hitler wanted an "exemplary German workers' town" as a "classic example not only of town planning but also of public housing". The central and convenient position with regard to transport was decisive for the siting of the factory.

The buyers were to collect their own cars. The future suburb was sited directly opposite the factory without a link to an existing housing area. The original design for a town with some 90,000 inhabitants was produced by the architect Peter Koller who was well acquainted with Albert Speer.

The car factory was built to the north of the Mittelland canal and along the railway line, the town itself to its south. Koller thus separated housing and leisure activities from the industrial production area. He wanted a workers' town in the country-side taking into account the existing topography and landscape.

A "crown" to the town was planned for the highest point, the Klieversberg: Representative cultural and political party buildings were to be placed here. After two years of war, all building activities were stopped. Apart from the first part of the factory, approximately one tenth of the housing units were built, some 2,400 in the inner town areas "Wellekamp" and "Schillerteich" as well as in the housing estate "Steimker Berg" situated in the woods.

The town was named Wolfsburg in 1945. Substantial urban development changes were made in 1948. One worked on the assumption that housing was needed for some 30,000 inhabitants. Further districts were planned by Koller in 1957. At the present time the town with its suburbs has some 130,000 inhabitants.


Architektur und Städtebau